ALSO DOCH

Gestern war ein Scheißtag. Ich hab nur rumgeheult, schlimm depressiv rumgelegen, und hatte auf einmal Angst, jetzt zu sterben.

Angst? Ich? Ohja. Je l√§nger die gute Phase dauert, desto weniger habe ich daran geglaubt, doch noch sterben zu m√ľssen. Exakt das, vor dem ich Angst hatte, ist eingetreten: Ich will leben. Aber ich werde nach wie vor nur noch als Gast hier geduldet, und meine Zeit l√§uft ab.

Ich war doch schon so weit, dass ich das akzeptiert hatte. Und jetzt muss ich zwar nicht ganz von vorn, aber doch schon wieder von fast vorne mit der Akzeptanz anfangen.

Lebenswille kann manchmal echt lästig sein.

7 Reaktionen zu “ALSO DOCH”

  1. qba

    Oh ja das kann ich mir gut vorstellen. Nicht Fisch, nicht Fleisch. Extrem fiese Situation und so v√∂llig absurd. Was soll man sich denn da w√ľnschen? Ich hoffe Du findest Deine Akzeptanz ganz schnell, damit Du wieder die Tage genie√üen kannst. ūüôā

  2. Peter

    Bin ja selbst jeden Sonntag 4 Stunden und länger im Hospiz am Rennweg in Wien als ehrenamtlicher Mitarbeiter. Kann dich also ganz gut verstehen.

  3. phager

    es ist sicher gar nicht m√∂glich, diese „bereitschaft“, die du aufgebaut hattest √ľber lange zeitspannen aufrecht zu erhalten. ich bin aber sicher, dass du dich wieder da rein finden wirst – hast ja inzwischen einiges an erfahrung und dich unglaublich gut geschlagen.
    ich stelle mir vor, dass der erste anlauf der schwerste war … kann aber auch sein, dass ich gerade wieder schrecklich naiv bin.

  4. Ruthy

    ich sag jetzt lieber nix, au√üer: gestern hatte ich den ganzen tag irgendwie ein schei√ügef√ľhl

  5. Queen Mum

    Deine Situation ist schwierig. Alles mitf√ľhlen und verstehen wollen trifft schnell auf Grenzen.
    In der Lebensphase, in der du dich bewegst,werden alle anderen zu Randfiguren: Verwandte, Freunde, alte und neue Bekannte
    Alle, die den Kontakt halten, möchten dir auf ihre je eigene Art signalisieren:
    DU BIST NICHT ALLEIN, wir bleiben bei dir, solange du es zuläßt.
    Das √§ndert nichts daran, dass dir niemand die Schritte abnehmen kann, die vor, manchmal zur√ľck, aufw√§rts und abw√§rts gehen.
    So kann dir leider auch keiner die √Ąngste abnehmen, die phasenweise wieder √ľber dich kommen.
    Ich finde es mutig, dass du so offen mit deiner Situation umgehst.
    Damit bist du uns um einiges voraus, die wir ALLE irgendwann in irgendeiner Weise diesen Weg vor uns haben.
    Mir selber w√ľnsche ich diesen Mut und diese Offenheit, wenn ich selber davor stehe, habe aber keine Ahnung, wie ich mich im Ernstfall verhalten werde.
    Dir w√ľnsche ich noch viele Tage intensiven Lebens mit den Menschen, die dir am wichtigsten sind, und dass die dunklen Tage voll Angst nur selten kommen und schnell vergehen.

  6. Alfred Lohmann

    Queen Mum ¬Ľ Danke … ich bin immer gleich im Zweifel an mir wegen solcher Auf’s und Ab’s. So als w√ľrde ich was falsch machen. Aber da alle dasselbe sagen …

    Dass es mir gestern und heute so gut ging, ist sicher der entsprechenden Medikation zu verdanken – zu 50%, sag ich mal. Der Rest f√ľttert sich aus der Hinreissenden, der Sonne, dem Team, dem nimmerm√ľden Doc (schickes Auto, Sir) meiner immer relaxteren, gro√üherzigen, niedlichen und ganz sch√∂n geliebten Pe – und meinen abgeschwollenen F√ľ√üen zusammen, denke ich.

  7. Heidi

    queen mum fasst in worte, was wohl so mancher denkt aber nicht auszudr√ľcken weiss. hochachtung. ganz toll beschrieben.
    lieber alfred, nicht an dir selber zweifeln. auf und abs haben wir alle und ich denke das ist nichts falsches.
    cicely saunders, die gr√ľnderin der hospizbewegung sagte schon:

    „du z√§hlst, weil du bist, wer du bist. und du z√§hlst bis zum letzten moment
    deines lebens.“

    in diesem sinne, bis freitag.