Sterben im Hospiz II

Gerade eben wach geworden, bin ich drei mir vertraut gewordenen Angehörigen auf dem Flur begegnet, die anscheinend heute Morgen, eben, ihren Vater verloren haben.

Ich war m√ľde, desorientiert aufgrund des gerade eben wach geworden und hab kaum verstanden, was ihr gesagt habt, tut mir Leid. Antworten h√§tte ich eh nicht k√∂nnen. Ich wei√ü nicht, was zu sagen ist. F√ľr den Vater war das wohl gut so, und ich m√ľsse auch nicht … in Ordnung. Mag sein. Ich w√ľrde aber gerne etwas von dem zur√ľckgeben, was ich bekomme.

Der eine Sohn nahm meine Hand in seine beiden, und dann waren sie weg.

Alles Gute.

7 Reaktionen zu “Sterben im Hospiz II”

  1. phager

    phuh. ein schrecklich schwerer tagesanfang. ach, das klingt furchtbar traurig. ein aspekt des hospiz-aufenthalts, an den man im vorfeld – und vor allem als au√üenstehender – gar nicht denkt. man ist laufend mit dem tod konfrontiert, n√§mlich nicht nur mit dem eigenen. ist das (abgesehen von der rat- und hilflosigkeit der angeh√∂rigen) ein vor- oder nachteil f√ľr dich? es ist so schwer vorstellbar, es ist f√ľr mich als v√∂llig unerfahrene auf dem gebiet nicht ansatzweise m√∂glich, mich in deine welt zu versetzen.

    alf, das wegen dem zur√ľckgeben … sch√∂ner und sehr richtiger gedanke, aber du bekommst nix geliehen. alles geschenkt, ok? wenn’s passt und sich die gelegenheit bietet, wirst du automatisch geben k√∂nnen und die gelegenheiten kommen schon noch, auch wenn winzig klein oder unwichtig erscheinend. so wie gestern. da hast du mit deiner anwesenheit und dem zuh√∂ren sicher gegeben. h√§tten die 3 heute morgen ein geben gebraucht, h√§tten sie die situation entsprechend eingerichtet. was sie brauchten, war offensichtlich wegzugehen, abstand zu gewinnen und das haben sie getan.

    lade dir jetzt bloß nix auf, ja?
    :^)

  2. qba

    *einfach neben phager stell und nick*

  3. OpaRolf

    Petra hat schon alles geschrieben. Du hast allein mit der Tatsache, dass Du als Gast und nicht als Besucher, in dem Moment da warst und einfach nur schweigend deine Hand „zur Verf√ľgung stelltest“, den Angeh√∂rigen sicherlich mehr Trost gegeben, als es in diesem Augenblick irgend ein gesprochenes Wort h√§tte machen k√∂nnen.
    Mehr hättest du nicht geben können Рes war das 100% Richtige!

  4. phager

    noch was:
    oft verwechselt man in schwierigen situationen „geben“ und „nehmen“. in vielen f√§llen gibt man mit „nehmen“ mehr, als mit „geben“. es muss den bed√ľrfnissen des betroffenen entsprechen, nicht den eigenen vorstellungen.
    es ist eigentlich wie mit geschenken – oft macht man den fehler, das zu schenken, was man selber gut findet. dabei h√§tte den beschenkten etwas ganz anderes – vielleicht billigeres, nutzloseres, „wertloseres“ – gl√ľcklicher gemacht.

    ;^)

  5. bibib

    *voll zustimm*
    passt genau so, wie es war.

  6. Alfred Lohmann

    Grad eben war die Familie da, um die Dinge abzuholen, und die Tochter fragte, ob sie mich sp√§ter mal, in ein paar Tagen vielleicht, besuchen d√ľrfte. Klar. Ja.

    Und, nein, ich lad mir nix auf. Anscheinend habt ihr ja Recht.

  7. OpaRolf

    Wenn eine fremde Person dich nach dem Tode ihres Vaters besuchen will, kannst Du nix falsch gemacht haben.
    Weisst du eigentlich, was du anderen Menschen f√ľr eine Kraft gibst?