Sterben im Hospiz

Eben ist hier eine Frau gestorben. Ihre Mutter sprach mich an, als ich in der Lounge sa├č und rauchte. „Meine Tochter kann nicht sterben“, sagte sie, und war so verzweifelt dar├╝ber. Wir kamen dann ins Gespr├Ąch.

Die Tochter, aufgrund ihrer Krankheit und der Behandlung k├Ârperlich extrem gezeichnet und deshalb f├╝r mich gar nicht einzusch├Ątzen, wie alt sie war, ist vor etwa 10 Tagen hier angekommen, nach einer Odyssee durch Kliniken, Diagnosen und Behandlungen, gegen die meine kleine Geschichte wie ein harmloser Rollschuhunfall klingt. Vorgestern noch hatte ich versucht, mit ihr ein bisschen zu plaudern, aber ihre kraftlose Stimme und mein Tinnitus hatten das verhindert.

Aber heute zeichnete sich ab, dass es zuende ging. Der Tod der Frau war nicht belastend f├╝r mich – aber wie extrem verzweifelt die Mutter dar├╝ber war, dass ihre Tochter einfach nicht sterben konnte und sich weiter und sinnlos aufb├Ąumte … hat mich wirklich weinen lassen, mich ber├╝hrt. Das ganze Haus war in Bewegung; Schwestern und Doc st├Ąndig in ihrem Zimmer, sich um die Sterbende und die Zur├╝ckbleibenden k├╝mmernd. Die Mutter und ihre zweite Tochter kamen immer wieder zu Pe, Mike und mir an den Tisch, von der Leidensgeschichte der Kranken erz├Ąhlend. Voller Trauer, aber auch voller Dankbarkeit, dass sie zuletzt noch erleben durften, wie sie aus dem funktionalen Klinikalltag in dieses Hospiz kam und hier, wie die Mutter immer wieder dankbar und wie ein Mantra betonte, menschlich behandelt wurde. W├╝rde bekam.

Mehr mag ich nicht erz├Ąhlen, das w├Ąre piet├Ątlos. Au├čer: Irgendwann setzt sich die Mutter erleichtert an den Tisch und sagte: „Sie hat es geschafft“. Und sie war ruhiger.

Ich bin dann noch viel zu lange sitzengeblieben, habe mit den Dreien gesprochen und dachte schlie├člich, was ich eigentlich in dieser intimen Situation verloren habe – und verzog mich. Allerdings bekam ich dann sp├Ąter gesagt, dass es wohl okay war, dass ich nicht gest├Ârt habe – im Gegenteil. Trotzdem bleibt da ein schales Gef├╝hl deswegen …

8 Reaktionen zu “Sterben im Hospiz”

  1. bibib

    wie gut, dass du da bist, wo du jetzt bist …
    man k├Ânnte sich eigentlich nichts besseres w├╝nschen als eine solche atmosph├Ąre und diese leute rundum, sowohl das personal als auch die anderen g├Ąste mit angeh├Ârigen …

  2. phager

    mach dir keinen kopf, alf. wenn du gest├Ârt h├Ąttest, h├Ątten sie dich das ganz bestimmt merken lassen und so wie du erz├Ąhlst, fanden sie deine anwesenheit gut.
    das schale gef├╝hl, das du jetzt hast, wird vielerlei gr├╝nde haben, aber sicher nicht den, dass du etwas falsch gemacht haben k├Ânntest. „da sein“ ist nie falsch und du warst einfach da und hast zugeh├Ârt, vielleicht auch nachgefragt, vielleicht auch selber erz├Ąhlt … es war sicher gut und richtig, bitte sei beruhigt – in so einer situation ist man froh ├╝ber jeden, der einfach da ist.
    ok?

  3. Alfred Lohmann

    Sowas ├ähnliches sagte Sr Ursula auch … okay. Danke ­čÖé

  4. qba

    Ich denke auch, dass es eher gut als falsch war, dass Du da warst. Mit wem k├Ânnte man in einer solchen Situation besser reden als mit einem „Insider“.

    Bitte gib den Menschen dort weiterhin von Deiner Kraft ab ­čÖé

  5. qba

    Noch was:

    Warst Du eigentlich schon immer so? Also mitf├╝hlend, sensibel auch mal einen Fehler eingestehend?

    Wenn ja bist Du echt ein Arsch, dass Du das bei ap nie hast durchblicken lassen. Wir h├Ątten soviel Spa├č haben k├Ânnen anstatt uns gegenseitig anzuzicken. Man ey.

    ­čśŤ

  6. phager

    ey, komm schon qba:
    mit so einem warmduscher w├Ąre es doch alles nur der halbe spa├č gewesen, oder?

  7. qba

    Ich mag Warmduscher. Bin selber einer. Er h├Ątte ja wenigstens das Wasser von 0┬░ auf 12┬░ aufdrehen k├Ânnen. ­čść

  8. phager

    na, 12 waren es nach meinem empfinden allemal.
    *bibber*
    :^D)))