Wieso?

Manche Fragen sollte man nicht stellen. Zum Beispiel kann ich mir vorstellen, dass Gaius Julius C√§sar (100-44 v. Chr.), r√∂mischer Feldherr, Staatsmann und Schriftsteller) heute noch leben k√∂nnte, h√§tte er seine(n) Brut(us) morgens nicht gefragt, wie das wohl w√§re, wenn Papa den Sohnemann nicht mit Senatsrechten verw√∂hnt. So aber: Mittags auf der Treppe das alte K√ľrbismesser bis zum Solarplexus im K√∂rper und hintendran Brutus. Falsche Frage, sage ich mal.

√Ąhnlich ist das in meiner Situation jetzt. Seit Tagen gehts mir gut und besser. Die L√§hmung meines rechten Beins ist fast weg, meine Schmerzen sind fast weg, ich „sehe besser aus“, bin gut gelaunt … Soll ich fragen, wieso das so ist? Wozu? Das ist so. Das genie√üe ich. Das kann morgen vorbei sein, nach wie vor. Soll ich mir das Essen mit Gr√ľblereien verderben?

Vielleicht ist das einer der Mechanismen, mit dem eigenen bevorstehenden Tod zurechtzukommen: Annehmen, nicht fragen. Bei mir funktioniert’s.

2 Reaktionen zu “Wieso?”

  1. phager

    wow. unvorstellbar, du scheinst in diesem (reife-?, entwicklungs-?, denk-? umstellungs-?) prozess jeweils 2 stufen auf ein mal zu nehmen. du legst da eine respektable psychische leistung hin. ich kann mich nicht erinnern, dass du jemals so gefestigt, so stabil und sicher r√ľbergekommen w√§rst. wenn man so mit den tiefs vergleicht, die dir die profis in den letzten monaten beschert haben, scheinen die leute, in deren h√§nden du jetzt bist, ihr handwerk echt zu verstehen.

    :^) beruhigend.
    beruhigend, dass sich genau dieser platz f√ľr dich gefunden hat und beruhigen zu wissen, dass es solche pl√§tze GIBT.

  2. Alfred Lohmann

    Danke. Genau das ist es: ich hatte echte Angst vor diesem (jedem) Hospiz und hatte vor allem keine Ahnung. Ich glaube f√ľr mich, dass ich – w√§re ich nicht hier – schon tot w√§re.